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“In Magdeburg ist es erneut zum Counter-Strike gekommen, einem bestialischen Computermassaker. Bei dem Blutbad tötete ein Sechzehnjähriger zahlreiche unschuldige Pixelwesen auf grausamste Weise. Politiker aller Parteien fordern nun ein Verbot von Amokläufen. Es sei kein Wunder, daß Jugendliche, die immer wieder auf Mitschüler schießen dürften, schließlich auch am Rechner ihre Hemmschwelle verlören.”

 

26.12.06 15:02


ResistantX :

Wenn man weiss, dass man in seinem Leben nicht mehr Glücklich werden kann, und sich von Tag zu Tag die Gründe dafür häufen, dann bleibt einem nichts anderes übrig als aus diesem Leben zu verschwinden. Und dafür habe ich mich entschieden. Es gibt vielleicht Leute die hätten weiter gemacht, hätten sich gedacht "das wird schon", aber das wird es nicht.

Man hat mir gesagt ich muss zur Schule gehen, um für mein leben zu lernen, um später ein schönes Leben führen zu können. Aber was bringt einem das dickste Auto, das grösste Haus, die schönste Frau, wenn es letztendlich sowieso für'n Arsch ist. Wenn deine Frau beginnt dich zu hassen, wenn dein Auto Benzin verbraucht das du nicht zahlen kannst, und wenn du niemanden hast der dich in deinem scheiss Haus besuchen kommt!

Das einzigste was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe war, das ich ein Verlierer bin. Für die ersten jahre an der GSS stimmt das sogar, ich war der Konsumgeilheit verfallen, habe anach gestrebt Freunde zu bekommen, Menschen die dich nicht als Person, sondern als Statussymbol sehen.

Aber dann bin ich aufgewacht! Ich erkannte das die Welt wie sie mir erschien nicht existiert, das ie eine Illusion war, die hauptsächlich von den Medien erzeugt wurde. Ich merkte mehr und mehr in was für einer Welt ich mich befand. Eine Welt in der Geld alles regiert, selbst in der Schule ging es nur darum. Man musste das neuste Handy haben, die neusten Klamotten, und die richtigen "Freunde". hat man eines davon nicht ist man es nicht wert beachtet zu werden. Und diese Menschen nennt man Jocks. Jocks sind alle, die meinen aufgrund von teuren Klamotten oder schönen Mädchen an der Seite über anderen zu stehen. Ich verabscheue diese Menschen, nein, ich verabscheue Menschen.

Ich habe in den 18 Jahren meines Lebens erfahren müssen, das man nur Glücklich werden kann, wenn man sich der Masse fügt, der Gesellschaft anpasst. Aber das konnte und wollte ich nicht. Ich bin frei! Niemand darf in mein Leben eingreifen, und tut er es doch hat er die Konsequenzen zu tragen! Kein Politiker hat das Recht Gesetze zu erlassen, die mir Dinge verbieten, Kein Bulle hat das Recht mir meine Waffe wegzunehmen, schon gar nicht während er seine am Gürtel trägt.

Wozu das alles? Wozu soll ich arbeiten? Damit ich mich kaputtmaloche um mit 65 in den Ruhestand zugehen und 5 Jahre später abzukratzen? Warum soll ich mich noch anstrengen irgendetwas zu erreichen, wenn es letztendlich sowieso für'n Arsch ist weil ich früher oder später krepiere?

Ich kann ein Haus bauen, Kinder bekommen und was weiss ich nicht alles. Aber wozu? Das Haus wird irgendwann abgerissen, und die Kinder sterben auch mal. Was hat denn das Leben bitte für einen Sinn? Keinen! Also muss man seinem Leben einen Sinn geben, und das mache ich nicht indem ich einem überbezahlten Chef im Arsch rumkrieche oder mich von Faschisten verarschen lasse die mir erzählen wollen wir leben in einer Volksherrschaft.

Nein, es gibt für mich jetzt noch eine Möglichkeit meinem Leben einen Sinn zu geben, und die werde ich nicht wie alle anderen zuvor verschwenden! Vielleicht hätte mein Leben komplett anders verlaufen können. Aber die Gesellschaft hat nunmal keinen Platz für Individualisten. Ich meine richtige Individualisten, Leute die selbst denken, und nicht solche "Ich trage ein Nietenarmband und bin alternativ" Idioten!

Ihr habt diese Schlacht begonnen, nicht ich. Meine Handlungen sind ein Resultat eurer Welt, eine Welt die mich nicht sein lassen will wie ich bin. Ihr habt euch über mich lustig gemacht, dasselbe habe ich nun mit euch getan, ich hatte nur einen ganz anderen Humor!

Von 1994 bis 2003/2004 war es auch mein Bestreben, Freunde zu haben, Spass zu haben. Als ich dann 1998 auf die GSS kam, fing es an mit den Statussymbolen, Kleidung, Freunde, Handy usw.. Dann bin ich wach geworden. Mir wurde bewusst das ich mein Leben lang der Dumme für andere war, und man sich über mich lustig machte. Und ich habe mir Rache geschworen!

Diese Rache wird so brutal und rücksichtslos ausgeführt werden, dass euch das Blut in den Adern gefriert. Bevor ich gehe, werde ich euch einen Denkzettel verpassen, damit mich nie wieder ein Mensch vergisst!

Ich will das ihr erkennt, das niemand das Recht hat unter einem faschistischen Deckmantel aus Gesetz und Religion in fremdes Leben einzugreifen!

Ich will das sich mein Gesicht in eure Köpfe einbrennt!

Ich will nicht länger davon laufen!

Ich will meinen Teil zur Revolution der Ausgestossenen beitragen!

Ich will R A C H E !

Ich habe darüber nachgedacht, dass die meisten der Schüler die mich gedemütigt haben schon von der GSS abgegangen sind. Dazu habe ich zwei Dinge zu sagen:

1. Ich ging nicht nur in eine klasse, nein, ich ging auf die ganze Schule. Die Menschen die sich auf der Schule befinden, sind in keinem Falle unschuldig! Niemand ist das! In deren Köpfen läuft das selbe Programm welches auch bei den früheren Jahrgängen lief! Ich bin der Virus der diese Programme zerstören will, es ist völlig irrelewand wo ich da anfange.

2. Ein Grossteil meiner Rache wird sich auf das Lehrpersonal richten, denn das sind Menschen die gegen meinen Willen in mein Leben eingegriffen haben, und geholfen haben mich dahin zu stellen, wo ich jetzt stehe; Auf dem Schlachtfeld! Diese Lehrer befinden sich so gut wie alle noch auf dieser verdammten schule!

Das Leben wie es heute täglich stattfindet ist wohl das armseeligste was die Welt zu bieten hat! S.A.A.R.T. - Schule, Ausbildung, Arbeit, Rente, Tod Das ist der Lebenslauf eines "normalen" Menschen heutzutage. Aber was ist eigentlich normal?

Als normal wird das bezeichnet, was von der Gesellschaft erwartet wird. Somit werden heutzutage Punks, Penner, Mörder, Gothics, Schwule usw. als unnormal bezeichnet, weil sie den allgemeinen Vorstellungen der Gesellschaft nicht gerecht werden, können oder wollen. Ich scheiss auf euch! Jeder hat frei zu sein! Gebt jedem eine Waffe und die Probleme unter den Menschen lösen sich ohne jedliche Einmischung Dritter. Wenn jemand stirbt, dann ist er halt tot. Und? Der Tod gehört zum Leben! Kommen die Angehörigen mit dem Verlust nicht klar, können sie Selbstmord begehen, niemand hindert sie daran!

S.A.A.R.T. beginnt mit dem 6. Lebensjahr hier in Deutschland, mit der Einschulung. Das Kind begibt sich auf seine perönliche Sozialisationsstrecke, und wird in den darauffolgenden Jahren gezwungen sich der Allgemeinheit, der Mehrheit anzupassen. Lehnt es dies ab, schalten sich Lehrer, Eltern, und nicht zuletzt die Polizei ein. Schulpflicht ist die Schönrede von Schulzwang, denn man wird ja gezwungen zur Schule zu gehen.

Wer gezwungen wird, verliert ein Stück seiner Freiheit. Man wird gezwungen Steuern zu zahlen, man wird gezwungen Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten, man wird gezwungen dies zu tun, man wird gewzungen das zu tun. Ergo: Keine Freiheit!

Und sowas nennt man dann Volksherrschaft. Wenn das Volk hier herrschen würde, hiesse es Anarchie!

WERDET ENDLICH WACH - GEHT AUF DIE STRASSE - DAS HAT IN DEUTSCHLAND SCHONMAL FUNKTIONIERT!

Nach meiner Tat werden wieder irgendwelche fetten Politiker dumme Sprüche klopfen wie "Wir halten nun alle zusammen" oder "Wir müssen gemeinsam versuchen dies durchzustehen". Doch das machen sie nur um Aufmerksmakeit zu bekommen, um sich selbst als die Lösung zu präsentieren. Auf der GSS war es genauso... niemals lässt sich dieses fette Stück Scheisse von Rektorin blicken, aber wenn Theater- aufführungen sind, dann steht sie als erste mit einem breiten Grinsen auf der Bühne und präsentiert sich der Masse!

Nazis, HipHoper, Türken, Staat, Staatsdiener, Gläubige...einfach alle sind zum kotzen und müssen vernichtet werden! (Den begriff "Türken" benutze ich für alle HipHopMuchels und Kleingangster; Sie kommen nach Deutschland weil die Bedingungen bei ihnen zu hause zu schlecht sind, weil Krieg ist... und dann kommen Sie nach Deutschland, dem Sozialamt der Welt, und lassne hier die Sau raus. Sie sollten alle vergast werden! Keine Juden, keine Neger, keine Holländer, aber Muchels! ICH BIN KEIN SCHEISS NAZI)

Ich hasse euch und eure Art! Ihr müsst alle sterben!

Seit meinem 6. Lebensjahr wurde ich von euch allen verarscht! Nun müsst ihr dafür bezahlen!

Weil ich weiss das die Fascholizei meine Videos, Schulhefte, Tagebücher, einfach alles, nicht veröffentlichen will, habe ich das selbst in die Hand genommen.

Als letztes möchte ich den Menschen die mir was bedeuten, oder die jemals gut zu mir waren, danken, und mich für all dies Entschuldigen!

Ich bin weg...

26.12.06 14:27


Auslöser

Als den Amoklauf auslösende Faktoren sind inzwischen hauptsächlich vier Ursachen ausgemacht worden:

  • die mehr oder weniger fortgeschrittene psychosoziale Entwurzelung des potentiellen Täters;
  • der Verlust beruflicher Integration, sei es durch Arbeitslosigkeit, Rückstufung oder Versetzung;
  • zunehmend erfahrene Kränkungen unterschiedlicher Art und durch unterschiedliche Personen und
  • Konflikte mit Liebespartnern.



Oft spielen vor einem Amoklauf mehrere dieser Faktoren eine Rolle. Dabei sind sie nicht unmittelbar direkt vor dem Ereignis gelegen, sondern können bereits längere Zeit bestehen.

26.12.06 14:51


Ablauf

Untersuchungen haben ergeben, dass sich der typische Amoklauf nach folgendem Muster abspielt:

Vorstadium

Zunächst erfolgt das Vorstadium eines mehr oder weniger langen BrütensDesintegration vermischen sich und setzen einen Regressions­prozess in Gang. und Grübelns. Dem potenziellen Täter erscheint sein Umfeld zusehends undurchdringlich, seine Sichtweise der Welt verdunkelt sich mehr und mehr, er isoliert sich selbst, vor allem bezüglich seiner sozialen Kontakte und zieht sich weitgehend aus der Welt zurück, die für ihn immer bedrohlichere Züge annimmt. Die erlernten Anpassungsmechanismen zerfallen allmählich, soziale und psychische

Wutanfall

Unmittelbar vor der Tat erfolgt ein Wutanfall, der sich in einer Reihe von Tötungshandlungen ohne ersichtliches Motiv entlädt. Dabei wird der Blick des Amokläufers starr, er reagiert kaum auf andere Reize, ist nicht mehr ansprechbar.

Suizid

Der Amoklauf endet oft, aber nicht zwingend, im Suizid des Täters. Dem Amoklauf wohnt also neben den Tötungsabsichten auch oft eine selbstmörderische Komponente bei, da ihm erst nach der Tat bewusst wird, was er getan hat.

26.12.06 14:24


Ursprünglich war Amok keine private Einzeltat, sondern das genaue Gegenteil. Es handelte sich im indonesischen Kulturkreis um eine kriegerische Aktion, bei der einige wenige Krieger eine Schlacht dadurch zu wenden versuchten, dass sie ohne jegliche Rücksicht auf Gefahr den Feind blindwütig attackierten.

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts glaubte man, dass Amokläufer nur im Opiumrausch ihre Tat begingen. Im renommierten Lexikon von Meyer aus dem Jahre 1888 heißt es dazu:

  • Zitat aus Meyer: Amucklaufen (Amoklaufen, vom javan. Wort amoak, töten), eine barbarische Sitte unter mehreren malaiischen Volksstämmen, z. B. auf Java, besteht darin, dass durch Genuss von Opium bis zur Raserei Berauschte, mit einem Kris (Dolch) bewaffnet, sich auf die Straßen stürzen und jeden, dem sie begegnen, verwunden oder töten, bis sie selbst getötet oder doch überwältigt werden.

Inzwischen hat das Amok-Phänomen längst die Industrienationen erreicht und die Soziologie führt den Amoklauf nicht mehr auf Rauschgiftgebrauch zurück.

http://de.wikipedia.org/wiki/Amok 

26.12.06 14:19


Welcome to my life
Do you ever feel like breaking down?
Do you ever feel out of place?
Like somehow you just don't belong
And no one understands you
Do you ever wanna runaway?
Do you lock yourself in your room?
With the radio on turned up so loud
That no one hears you screaming

No you don't know what it's like
When nothing feels all right
You don't know what it's like
To be like me

To be hurt
To feel lost
To be left out in the dark
To be kicked when you're down
To feel like you've been pushed around
To be on the edge of breaking down
And no one's there to save you
No you don't know what it's like
Welcome to my life

Do you wanna be somebody else?
Are you sick of feeling so left out?
Are you desperate to find something more?
Before your life is over
Are you stuck inside a world you hate?
Are you sick of everyone around?
With their big fake smiles and stupid lies
While deep inside you're bleeding

No you don't know what it's like
When nothing feels all right
You don't know what it's like
To be like me

To be hurt
To feel lost
To be left out in the dark
To be kicked when you're down
To feel like you've been pushed around
To be on the edge of breaking down
And no one's there to save you
No you don't know what it's like
Welcome to my life

No one ever lied straight to your face
No one ever stabbed you in the back
You might think I'm happy but I'm not gonna be okay
Everybody always gave you what you wanted
Never had to work it was always there
You don't know what it's like, what it's like

To be hurt
To feel lost
To be left out in the dark
To be kicked when you're down
To feel like you've been pushed around
To be on the edge of breaking down
And no one's there to save you
No you don't know what it's like (what it's like)

To be hurt
To feel lost
To be left out in the dark
To be kicked when you're down
To feel like you've been pushed around
To be on the edge of breaking down
And no one's there to save you
No you don't know what it's like
Welcome to my life
Welcome to my life
Welcome to my life
25.12.06 19:12


Unter Zeitbomben

Wir Zivilisierten zwischen Amok und Selbstbeherrschung

Von Burkhard Müller-Ullrich

Jeder kennt das Gefühl, ein randvolles Gefäß zu sein. Randvoll mit Ärger, Wut und Leiden. Jetzt fehlt nur noch ein Tropfen, um … - ja, genau: um was bitte sehr? Wie manifestiert sich dieses Überlaufen, und was wird dann im nächsten Augenblick geschehen? Das sind Fragen, mit denen man auch als ganz durchschnittlicher Mittelklassemensch hin und wieder konfrontiert wird. Oder vielleicht gerade als ein solcher.

Denn die asozialen Schichten der Gesellschaft, der Abschaum ganz unten, und die sich alles leisten Könnenden ganz oben verschaffen sich rascher eine Spannungsabfuhr und stauen den Wohlverhaltensdruck nicht so lange auf wie die biedere Masse des Volks, aus dessen biederster Mitte sich plötzlich die unheimliche Figur des Amokläufers löst.

Da wir instinktiv wissen, dass der Amokläufer einer von uns ist, erregt seine Raserei so großes Interesse. Wahrhaftig ist die ganze Sicherheitsdebatte, die jetzt infolge der Berliner Messerstecherei entbrennt, von grotesker Übertriebenheit. Aber insofern passt sie wenigstens zu der bevorstehenden Fußball-WM. Die steht ja sowieso unter dem Stern der totalen Sicherheit. Erst ließ die Stiftung Warentest in den Stadien breitere Treppen und höhere Tore einbauen, dann verbot die Regierung den Terroristen aus aller Welt die Einreise und jetzt wird auch noch eine Anti-Amok-Maßnahme ergriffen.

Zum Beispiel beim Bierverkauf: Der Berliner Amokläufer war nach allem, was man hört, betrunken. Deswegen soll der Alkoholausschank an Amokläufer während der WM verboten werden. Des Weiteren handelt es sich um einen 16-Jährigen. Ein schlimmes Alter. Die meisten weltbekannten Amokläufer der letzten Zeit waren unter 20 - von Jonesboro bis Littleton und von Bad Reichenhall bis Erfurt. Daher sollten Leute unter 20 sich die WM gar nicht ansehen dürfen - weder in den Stadien noch außerhalb der Stadien.

Schließlich gilt es auch verschiedene Gewalt auslösende Faktoren zu berücksichtigen. Psychologen wissen, dass einem Amoklauf meist ein Streit mit Freunden oder Liebespartnern vorausgeht. Insofern scheint es angezeigt, labilen Charakteren, die sich mit Freunden oder Liebespartnern streiten, den Zutritt zu WM-Plätzen grundsätzlich zu verwehren.

Ein ganz besonderes Augenmerk der Sicherheitskräfte gilt 16-Jährigen, die Liebeskummer haben und Bier trinken. Man wird ihnen gegebenenfalls mitgeführte Messer wegnehmen. Aus alldem folgt, dass auf dieser Fußball-WM eher 30-jährige Amokläufer nach Ecstasy-Genuss zum Zuge kommen. Denn es liegt im Wesen des Amoklaufs, dass er nicht kalkulierbar ist. Der Wahnsinn bricht sich immer da Bahn, wo man es nicht vermutet und deshalb nicht verhindern kann.

Ganz überraschend ist er trotzdem nicht. Im Gegenteil, das Überraschende an unserem hochkomplexen Zivilisationsgefüge besteht darin, dass es ungeachtet des enormen Wahnsinnspotenzials Tag für Tag überwiegend glimpflich funktioniert. Dabei nehmen die neuronalen Anforderungen ans Individuum im modernen Leben ständig zu.

Allein das Autofahren kann einen durchschnittlich begabten Menschen an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen. Aber ein Blick auf den Straßenverkehr zeigt, dass wunderbare Selbstbeherrschungskräfte ein geordnetes Kutschieren möglich machen.

Diese wunderbaren Selbstbeherrschungskräfte sind es, die der Amokläufer für uns thematisiert. Denn wir haben keine Ahnung, woher sie eigentlich kommen. Wir wissen bloß, dass sie eine kostbare und jederzeit gefährdete Ressource darstellen. Deshalb haben wir solche Angst davor, dass der seidene Faden des zivilisierten Verhaltens irgendwo reißt und irgendjemand wie der von Michael Douglas gespielte Otto Normalverbraucher in dem Film "Falling Down" austickt und ein Blutbad anrichtet. Ja, eigentlich wundern wir uns, dass es nicht öfter geschieht, denn wir leben unter Zeitbomben. Als zumindest potenzielle Zeitbomben haben wir selber dafür ein starkes Gespür.

Hier nun liegt der Grund für die sofort hoch aufschäumende Intensivberichterstattung der Medien, für den diskursiven Amoklauf der Sicherheitspolitiker und für die gesamtgesellschaftliche Resonanz, die solch ein Zwischenfall wie der bei der Berliner Bahnhofseinweihung auslöst
. Es mischt sich in das Entsetzen über die Tat stets auch ein heimliches Gefühl der Erleichterung und des Davongekommenseins. Und zwar nicht nur als Opfer, sondern auch als Täter. Der Amokläufer wird zur öffentlichen Kultfigur, weil er uns nicht nur Angst vor Tod oder Verletzung einjagt, sondern weil sein Horrortrip auch eine Projektionsfläche ganz anderer Ängste ist: Im Amokläufer spiegelt sich unsere Angst vor uns selbst.

25.12.06 00:06


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